Alle fünf Jahre verdoppelt sich die Anzahl der an Demenz erkrankten über 60-Jährigen, lautet das Untersuchungsergebnis der deutschen Alzheimergesellschaft. In Pirmasens werden im Jahr 2020 über 1000 Betroffene leben, nach Prognose der Bertelsmannstiftung. Der Bedarf an Betreuungsangeboten wird daher weiterhin steigen.
Der Stadt-und Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) stellte am Donnerstagabend in der Mitgliederversammlung in den Räumlichkeiten am Berliner Ring sein neues Konzept einer Wohngemeinschaft für an Demenz erkrankte Mitbürger vor. In Kooperation mit der Bauhilfe Pirmasens entwickelte die Awo ein ambulantes Wohnkonzept, das sich stark von der ansonsten üblichen Heimunterbringung abhebt.
Wie Hermann Schulze, der Geschäftsführer des Awo-Stadtverbandes, ausführte, sind bei Demenzpatienten irgendwann die Grenzen der Möglichkeiten der häuslichen Pflege erreicht. Bei fortschreitender Erkrankung gestalte sich die Pflege und die soziale Betreuung immer schwieriger. Derzeit gäbe es als Alternative nur die Tagesbetreuung oder die Heimunterbringung.
Das neue Konzept sieht ein gemeinschaftliches Wohnen von Betroffenen vor. Die Unterbringung erfolgt in einem privaten Wohnraum mit individuellem Mietvertrag. Vertraute Bezugspersonen sowie eine gesicherte pflegerische und hauswirtschaftliche Versorgung bilden das Fundament der Planung. Diese neue, ambulant betreute Wohngemeinschaft soll aus acht bis neun dementiell erkrankten Bewohnern bestehen, die gemeinsam in einer großen Wohnung im Erdgeschoss des Gebäudes Berliner Ring 88 leben werden.
Jeder Bewohner soll ein Einzelzimmer mit Dusche und WC zur Verfügung haben. Eine Küche mit Essplätzen und ein Wohnzimmer werden von allen gemeinsam benutzt. Rund um die Uhr stehen den Bewohnern Pflege und hauswirtschaftliche Hilfe zur Verfügung, die durch einen ambulanten Pflegedienst geleistet werden.
Was die WG grundsätzlich von einer Heimgruppe unterscheide, sei die familienähnliche und gemeinschaftsorientierte Struktur, so Schulze. Die persönliche Förderung und der Erhalt der Selbstständigkeit und der Fähigkeiten stehen im Vordergrund, ebenso wie die Schaffung eines Tagesablaufs, der sich nach den individuellen Bedürfnissen richtet. Menschliche Nähe, gerade bei herausforderndem Verhalten, sei ebenso wichtig wie die Sicherstellung einer privaten Atmosphäre. Aus diesem Grund gäbe es auch keinen Heimvertrag, sondern individuelle Mietverträge.
Jeder Bewohner könne selbst entscheiden, wann er essen oder schlafen möchte. Daher basieren die Leistungen der pflegerischen und hauswirtschaftlichen Kräfte auf dem Prinzips des individuellen Einkaufs. Die Bauhilfe vermietet die Wohnung an die Awo, die wiederum die Zimmer an die Bewohner untervermietet. Zusätzlich gibt es einen Servicevertrag mit dem AHZ in der Blumenstraße, der die jeweiligen Pflege-und hauswirtschaftlichen Leistungen erbringt.
Interessierte benötigen ein fachärztliches Gutachten, das die Demenz bescheinigt, sowie eine Begutachtung durch den medizinischen Dienst, um eine Pflegestufe zu ermitteln. Neben der Sicherstellung der Finanzierung ist ein Wille zum Einzug und ein gewisses Einvernehmen mit den anderen Bewohnern Voraussetzung für eine Aufnahme.
Die Bauhilfe wird den Umbau und die Finanzierung der Wohnung übernehmen. Das Gesamtvolumen wird etwa 260.000 Euro betragen. Die Festlegung der Miete, der
Nebenkosten und der Pflegeserviceleistungen werden bis Ende 2011 fertig sein. Der Bezug ist fürs Frühjahr 2012 geplant. Ab Anfang September können Interessierte
Informationen und Beratung unter der Telefonnummer 06331/ 2160214 beim Awo Betreuungsverein, Zweibrücker Straße 3-5, einholen. |